Notgroschen aufbauen

Notgroschen und finanzielle Rücklagen

Einen Notgroschen zu haben oder aufzubauen macht für mich auf jeden Fall Sinn. Das dürfte sicherlich den Meisten so gehen. Auch wer selbst noch keinen Notgroschen hat, hätte vermutlich gerne einen. Doch wann sollte ich anfangen einen Notgroschen aufzubauen? Wofür brauche ich einen Notgroschen? Und wie viel finanzielle Rücklagen sollte ich aufbauen?

Inhaltsverzeichnis:

Ein kleiner Rückblick in die Vergangenheit

Als Kind und Jugendlicher war sparen nicht wirklich ein Thema für mich. Was rein kam wurde auch wieder ausgegeben. Das, was rein kam, war allerdings auch nicht viel. Mein erster Job war das Austragen von Prospekten. Das brachte mir damals 20 DM bzw. nach der Währungsumstellung 10,23 Euro pro Woche.
Damit konnte man keine großen Sprünge machen und schon gar nicht einen Notgroschen aufbauen. In Jugendjahren ist das Geld dann auch noch zum Großteil für Zigaretten drauf gegangen. Was für eine Verschwendung.
Nach ein paar Jahren mit kleineren Nebenjobs begann ich meine Ausbildung. Während dieser Zeit fing ich auch das erste Mal das wirkliche Sparen an. Ein Teil meines, damals noch kleinen, Azubigehalts floss in Vermögenswirksame Leistungen. Dieser Vertrag läuft immer noch…auch wenn es vermutlich nicht die beste Anlageform für mich ist. Aber das Thema ist so umfangreich, dazu wird es einen separaten Blogpost geben. Das würde hier den Rahmen sprengen.
Damals ging es noch nicht um Anlegen und Rendite, sondern nur um einen kleinen Notgroschen, um unerwartete Ausgaben bezahlen zu können. Von den Vermögenswirksamen Leistungen abgesehen findet das aktive Sparen erst mit Ende der Ausbildung und das Investieren ab 2016 statt.

Wann sollte ich finanzielle Rücklagen bilden?

Ich bin der Meinung, dass man finanzielle Rücklagen bilden sollte, wenn man es kann. Also eigentlich immer. Außer man steckt gerade wirklich in finanziellen Nöten. Und kann es tatsächlich nicht bewerkstelligen einen kleinen Teil seines Einkommens dafür zu verwenden sich selbst und die gegebenenfalls vorhandene Familie abzusichern.
Vielleicht hat man sogar die Möglichkeit noch etwas dazu zu verdienen. Das kann man dann hervorragend dazu nutzen um sich einen Notgroschen aufzubauen. Und wenn dann noch etwas übrig ist, kann man sich auch noch etwas gönnen.
Sollte man aber „normal berufstätig“ sein, ist es in den meisten Fällen auch kein Problem ein kleines Polster aufzubauen. Ein paar Euros lassen sich immer entbehren. Wenn man am Monatsanfang direkt einen kleinen Teil des Einkommens zur Seite legt, merkt man kaum das man weniger zur Verfügung hat.

Warum sollte ich mir einen Notgroschen aufbauen?

Arbeitslosigkeit oder der Wegfall sonstiger Einnahmequellen, wie Dividenden oder Mieteinnahmen, können schneller passieren, als einem lieb ist.
Wer ein großes Depot besitzt und sein Leben von den Dividendenausschüttungen bestreitet, wird sich über ausbleibende Dividenden nicht so sehr schlaflos im Bett wälzen, wie jemand der seine einzige Einnahmequelle, den Job, verloren hat. Schließlich ließe sich in den meisten Fällen etwas von den Dividendentiteln versilbern, um über die Runden zu kommen. Das wäre natürlich kontraproduktiv, würde einen aber erstmal “retten”.

Wofür ist es ratsam einen Notgroschen zu haben?

Wer Rücklagen hat, kann etwas ruhiger schlafen. Ein kleiner Puffer, neben dem fest verplanten Geld für die Lebenshaltungskosten und dem Geld das eventuell angelegt ist. Geht die Waschmaschine oder der Kühlschrank kaputt? Muss das Auto zur Inspektion? Alles nicht so wild. Es muss nicht direkt das Sparschwein bzw. das Depot geplündert werden.
Leider haben es Dinge, wie Waschmaschine, Auto etc. an sich, dass sie a) alle gleichzeitig kaputt gehen und b) dies immer zu den unpassendsten Gelegenheiten passiert.

Notgroschen für Arbeitslosigkeit

Auch mit einer eventuellen Arbeitslosigkeit muss man rechnen. Selbst wenn man denkt, dass man einen sicheren Job hat. Und der Chef oder das Unternehmen erstmal keinen Grund hat, einem zu kündigen. So können doch unvorhergesehene Umstände genau dazu führen. Wenn zum Beispiel Kunden plötzlich nicht mehr zahlungsfähig sind und ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Oder durch ein unvorhersehbares Ereignis, wie zum Beispiel eine Finanzkrise. Dann können früher oder später auch keine Gehälter mehr bezahlt werden. Läuft es ganz schlecht, verliert man seinen Job.

Wenn es noch relativ glimpflich abläuft, so verzögert sich nur die Gehaltszahlung und die Firma ist schnell wieder liquide. Oder man fällt ins Kurzarbeitergeld. Aber auch in diesem Fall schläft es sich eindeutig besser, wenn man sich keine Sorgen darüber machen muss, wovon die Miete bezahlt wird. Oder auch die Frage wie Essen auf den Tisch kommt. Selbst ein Zahlungsverzug von ein paar Tagen ist für einige Konten schon zu viel. Wenn das Gehalt erst am 2. kommt, aber am 1. geht alles ab, steht auf dem Konto ganz schnell eine rote Zahl.

In der aktuellen Situation in Deutschland und der Welt sieht man, dass sich ein Notgroschen für Arbeitslosigkeit auch bewähren kann wenn man nämlich in Kurzarbeit muss. Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest, kannst du gerne mal meinen Beitrag Kurzarbeit überall in Deutschland lesen.

Notgroschen für den Krankheitsfall

Etwas worüber sich wohl kaum einer Gedanken macht ist eine Krankheit, die länger als 6 Wochen anhält (Ich hoffe natürlich, dass das niemandem passiert). In dem Fall bekommt man nämlich nach diesen 6 Wochen nur noch Krankengeld. Das Krankengeld kann zu mehreren Problemen führen: 1. man weiß nicht wann das Geld auf dem Konto eintrifft und 2. man erhält für gewöhnlich nur 70% des letzten Bruttogehalts, aber max 90% vom letzten Netto. Wenn man zusätzlich noch auf Trinkgelder oder Verkaufsprovisionen angewiesen ist, fehlt einem ein ganzer Batzen Geld zum Leben. So ist zum Beispiel als Friseur, Kellner oder Autoverkäufer schnell das Ende an flüssigen Mitteln erreicht.

Rücklagen für den Konsum

Weitere Rücklagen betreffen den Konsum. Diesen Notgroschen kann man anzapfen, wenn man mal wieder ein neues Smartphone haben möchte oder der Urlaub ansteht.
Hier monatlich einen kleinen Notgroschen aufzubauen macht für mich in erster Linie Spaß und außerdem wird so das Girokonto geschont, wenn mal wieder eine „unsinnige“ Anschaffung ansteht.

Rücklagen für Investitionen

Rücklagen für Investitionen sind zum Beispiel Bargeld im Verrechnungskonto des Depots. Dieser Notgroschen ist dazu gedacht, im Falle eines stark abschwächenden Marktes Aktien und ETFs nachkaufen zu können. Wenn es sich gerade anbietet und die Titel günstig bewertet sind.
Aus dieser Rücklage wird auch monatlich der Sparplan bedient, sie fungiert als Puffer. In diesen Puffer fließen zum Beispiel auch die Dividenden und der Dauerauftrag vom Gehaltskonto.

Wieviel Notgroschen ist sinnvoll?

Um die Rücklagenhöhe einschätzen zu können, muss man als Erstes klären, wofür man den Notgroschen aufbauen will Geht es um die „normalen“ Lebenshaltungskosten, hängt dies meiner Meinung nach vom jeweiligen Lebensstil und den damit einhergehenden monatlichen Kosten ab.
Aber abgesehen von den unterschiedlich hohen monatlichen Belastungen macht es für mich Sinn die Rücklagen für die Lebenshaltungskosten so hoch anzusetzen, dass einige Monate ohne Einkommen finanziert werden können. Dies betrifft Kosten wie Miete, Lebensmittel usw. Für mich sind dies im Idealfall sechs Monate. So kann man, auch wenn es schlecht läuft, ein halbes Jahr ohne jegliche Einnahmen überstehen.
Neben diesem existenziellen Notgroschen gibt es natürlich auch noch weniger wichtige Rücklagen, die aber “nice to have” sind.
Im Einzelnen ist dies als Beispiel ein Notgroschen für unerwartet hohe Nebenkosten, jährliche Kosten wie Versicherungen, KFZ Steuern und dergleichen. Auch ein Notgroschen für das eigene Fahrzeug macht Sinn. Reparaturen oder der Austausch von Verschleißteilen, wie zum Beispiel Reifen, kommen recht häufig vor und vor allem dann, wenn man es gerade überhaupt nicht gebrauchen kann.

Wenn genug für einen bestimmten Zweck angespart ist, zum Beispiel 1200 Euro als Notgroschen für die Nebenkostenabrechnung, kann man andere Rücklagen bilden. Oder einfach die Reserven für andere Dinge weiter aufbauen, zum Beispiel für den Konsum. Durch Rücklagen für den Konsum kann man auch darauf verzichten Kredite in Anspruch zu nehmen, die das monatlich frei verfügbare Geld schmälern würden.

Notgroschen, wo kann ich ihn anlegen?

Ich persönlich würde den Notgroschen nicht fest anlegen. Man weiß schließlich nie, wann man ihn braucht. Ich versuche die Rücklagen frei verfügbar zu halten. Das kann man zum Beispiel machen in dem man den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto oder auch dem Girokonto bereit hält. Auch eine kleinere Summe Bargeld, kann sehr nützlich sein. Musst du zum Beispiel den Schlüsseldienst bezahlen, kannst du vielleicht nicht erst zum Bankautomaten. Auch beim Abschleppen, kann dies passieren. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Ich musste Kilometerweit laufen, um Bargeld am Automaten zu holen.

So kannst du dir deinen Notgroschen aufbauen

Wie du dir einen Notgroschen aufbauen kannst, hängt natürlich erstmal von deiner persönlichen Situation ab.
Kannst du monatlich 10% von deinem Nettogehalt zur Seite legen? Nimm zunächst diese 10% und du hast schon einen super Anfang.
Hast du kein Geld übrig, um es zur Seite zu legen, probiere es Mal mit meinen 10 Spartipps für Anfänger. Das kann dir helfen Geld für einen Notgroschen übrig zu haben.
Bist du schon fleißig am Sparen und hast trotzdem kein Geld um es zur Seite zu legen? Wenn du dir ein finanzielles Wohlfühlpolster anlegen möchtest, empfehle ich dir Mal einen Blick in meinen Artikel Der Minijob als Sparboost zu werfen.
Das zusätzliche Geld von bis zu 450 Euro monatlich eignet sich super um einen Notgroschen in kurzer Zeit aufzubauen.

Findest du auch, dass es Sinn macht einen Notgroschen zur Hand zu haben?

Dann wünsche ich dir viel Spaß beim Aufbauen. Ich drücke die Daumen, dass du ihn nicht anrühren musst.

Dein reisparer

Kein Beratung! Dieser Text entspricht den Erfahrungen und Meinungen des Autors. Er soll keinesfalls eine Anlageberatung darstellen. Bitte lies die gesamte Transparenzerklärung unter folgendem Link durch. Transparenzerklärung